Herr Creuset und ich weilten unlängst hinter den dicken Mauern von St. Malo/Bretagne. Wir haben uns aber – um bei der Wahrheit zu bleiben – vornehmlich extra muros herumgedrückt: nämlich auf dem dort jährlich stattfindenden Literatur- und Filmfestival „Etonnants Voyageurs“, das dieses Jahr über 300 Autoren, Regisseure, Künstler und über 50.000 Besucher zählte.
Natürlich waren wir nicht zufällig dorthin gereist, nein, wir waren in unserer Eigenschaft als bibliophile Geschmacksverrückte unterwegs… Wir wollten die französische Geschmacksliteratur goutieren und haben daher die Festivalabteilung „Toutes les saveurs du monde“ unablässig mit unserer Anwesenheit beehrt.
Und mal ehrlich, das war schon ein tolles Erlebnis. Olivier Roellinger, drei Sterne im Guide Michelin, hat diese ganz der Kulinarik verschriebene Literaturplattform vor vier Jahren ins Leben gerufen. Jedes Jahr wird das übergeordnete Thema des Festivals hier für Papillen und Lesebrillen konjugiert.
In diesem Jahr beschäftigte sich „Etonnants Voyageurs“ mit Migration. Wandern, verschieben und mischen. Und was liegt bei einem solchen Thema näher, als eine Bücherreise, die die Wanderbewegung der Nahrungsmittel beschreibt?
Herr Creuset und ich haben dabei ganz wunderbare Bücher vorgestellt bekommen und einige auf Anhieb sehr gemocht! Da gab es eine kleine Reihe Exquis d’écrivains, in der sich französische Gegenwartsschriftsteller in breitblättrigem Gattungssalat an Stichworten aus der Welt des Essens abarbeiten. Da gab es Edward Trencom’s Nose von Giles Milton, einen Stinkerroman über englischen Käse, der uns den Mund nach Stilton wäßrig machte. Da gab es Lizzy Collinghams Standardwerkwurf über Curry und Olivier Etcheverrias genialen Atlas mondial des cuisines et gastronomies, der die geographische Verbreitung unserer Nahrungs- und Genußmittel auf einen Blick zeigt und erklärt.
Die Krönung der Lesungen und Diskussionen waren natürlich die von Olivier Roellinger gereichten Appetithäppchen: in Szechuan-Pfeffer und Gomasio gerollte Cocktailtomätchen mit elektrischem Batteriegeschmack, Napfschnecken und Meeresspinnenrillettes, Erbspüree mit Algensenf und wilder Pimpernelle, Kaffeemousse mit Pralinécrumble, warmer Gewürzrum… In seiner Küche kombiniert Roellinger frische Zutaten und Meeresfrüchte aus der Bretagne mit Gewürzen aus der Fremde; Gewürzen, die die bretonische Geschichte geprägt haben. …Und uns hat Olivier Roellinger bewiesen, dass er die Migration, das Verschieben und Vermischen der Geschmäcker mit seinem Kochlöffel wirklich lebt und ausformuliert – wirklich enthusiasmierend!
Eine Dame im Publikum war von dem ganzen Treiben wohl auch stark beeindruckt und hat uns in einer Pause gleich das ihrer Meinung nach beste Apfeltarterezept der Welt verraten! Dieses sieht neben 100g Weizenmehl, 100g Butter und einer Prise Salz auch 100g Sarrasinmehl (Buchweizenmehl) vor. Die Äpfel sollte man mit 4-Epice-Pulver bestäuben. Herr Creuset und ich haben uns natürlich höflich bedankt und gedenken, daß tatsächlich in der nächsten Zeit einmal auszuprobieren…
…ausprobiert haben wir übrigens aus diesem Anlass auch eine moderne Besonderheit: Algen von Mr. Arbona, von seiner Frau liebevoll zubereitet als Croques’mer, gewürzgurkige Algen-Cornichons mit interessanter Rhababerkonsistenz ;-)










Na meine Liebe, dass klingt nach kulinarischen „Abwegen“, auf denen du gewandelt bist und die bestimmt zu tollen Geschmackserlebnissen geführt haben. Anbei vielen Dank für das Mitbringsel aus dem Geschmäckerunderground in – wo sonst – Frankreich.