Plädoyer für Schweinefutter

Joël Robuchon: Kartoffelzaubereien. Heyne, 1995

Zur formlosen Masse zerkocht, holen sie bei dem einen oder anderen unliebsame Erinnerungen an finsterste Schulspeisungserlebnisse hervor. Auch Assoziationen mit Schweinefutter scheinen nicht allzu fern zu liegen… Ich aber sage okay! Kartoffeln sind vielleicht manchmal ein bisschen runzelig, im Grunde aber echt prall und ziemlich sexy. Das finden übrigens auch die Vereinten Nationen, die 2008 zum IYP 2008, zum Internationalen Jahr der Kartoffel erklärt haben.

Wer’s nicht glaubt, sollte seinen Kochlöffel mal in Joël Robuchons „Kartoffelzaubereien“ stecken. Da finden sich genau 100 Rezepte von einem der Köche des (letzten) Jahrhunderts. Ein jedes davon, so verspricht der Untertitel, kommt ebenso einfach wie raffiniert daher. Die meisten sind ziemlich französisch gefärbt – das Buch entblättert sich zu kartoffeltem location-hopping durch Frankreichs Regionen. Da finden sich Kartoffeln aus Sarlat, Lyon und dem Pays de Caux, aus Paris und Surprise und überhaupt. Perfektes Zubereitungswissen! Nicht nur das Rätsel knuspriger Fritten wird gelöst, sondern auch das Geheimnis eines 5-Sterne-Kartoffelbreis gelüftet! Einfach heißt hier schlicht besonders. Und der passionierte Cuisinier bleibt auf Kartoffelkonfitüre oder Clafoutis Picard mit Honigkuchen hängen. Buchseitengroße Fotos machen dazu im seriös-gesetzten Chique der neunziger Jahre Lust, gleich in alles reinzubeißen.

Dem vorangestellt ist eine kleine kulturgeschichtliche Abhandlung, die natürlich besonders die Geschichte des Gemüses in Frankreich erzählt. Dabei lernt man, daß der alte Fritz von Frankreich Antoine-Augustin Parmentier hieß und so kann man dieser Kartoffelbibel denn eigentlich nur vorhalten, daß sie das berühmte Hachis Parmentier aber so was von ignoriert…

Die „Kartoffelzauberein“ sind übrigens leider nicht mehr im Handel zu haben, aber second hand geht ja auch immer!

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